Mut zum Anders Sein
Bist Du dabei?
Stell Dir vor, Du suchst neue Mitarbeiter, einen anderen Partner oder einfach Gleichgesinnte für gemeinsame Abenteuer. Und dann gibst Du eine Anzeige auf:
„Täglich neue Herausforderungen. Wir lernen daraus. Eine absolute Sicherheit gibt es nicht.
Wir treffen klare Entscheidungen, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Doch wir übernehmen stets die Verantwortung für unser Handeln.“
Würdest Du Dich darauf bewerben?
Sir Ernest Shackleton (1874–1922), einer der bekanntesten Polarforscher seiner Zeit, brauchte für seine Expeditionen Menschen, die bereit waren, sich auf etwas einzulassen, dessen Ausgang niemand kannte. Er suchte keine Menschen, die einfach nur funktionierten. Er brauchte Persönlichkeiten. Menschen, die mit sich selbst etwas anfangen konnten. Die in einer Gemeinschaft ihren Platz fanden und gleichzeitig bereit waren, für andere da zu sein. Menschen, die Geschichten erzählen, gemeinsam singen, zuhören und lachen konnten. Menschen mit Neugier, Mut und echtem Interesse am Unbekannten.
Bei der Auswahl seiner Mannschaft soll Shackleton sehr viele Bewerbungen gesichtet und mit ungewöhnlichen Fragen konfrontiert haben. Ihn interessierte nicht nur, was jemand konnte. Er wollte herausfinden, wer dieser Mensch war, wenn es schwierig wurde. Wie reagiert er unter Druck? Kann er improvisieren? Behält er seinen Humor? Übernimmt er Verantwortung? Und was trägt er zu einer Gemeinschaft bei, wenn es gerade nicht gut läuft?
Natürlich lässt sich eine Antarktisexpedition nicht mit unserem heutigen Alltag vergleichen.
Oder vielleicht doch? Wie mutig sind wir?
Auch unser Leben führt uns nicht immer über bekannte Wege. Wir wissen nicht, was morgen passiert. Beziehungen gehen in die Brüche, berufliche Situationen verändern sich und Pläne erfüllen sich nicht immer so, wie wir es uns vorstellen.
Und trotzdem versuchen wir häufig, möglichst viel Sicherheit herzustellen.
Wir halten an Gewohnheiten fest, weil sie vertraut sind.
Wir treffen Entscheidungen schnell, weil tieferes Nachdenken anstrengend sein kann.
Wir vermeiden Verantwortung, weil es angenehmer ist, wenn jemand anderes entscheidet.
Und manchmal bleiben wir lieber bei dem, was wir kennen, obwohl wir längst spüren:
„Eigentlich möchte ich etwas verändern.“
Vielleicht liegt genau darin eine der spannendsten Fragen unseres Lebens:
Wer sitzt in Wirklichkeit am Steuer, meine Gewohnheiten oder ich?
Stell Dir vor, Du würdest bei den wirklich wichtigen Vorhaben Deines Lebens nicht mehr nur an der Oberfläche bleiben. Du würdest genauer hinschauen:
Was will ich wirklich? Was begeistert mich? Was macht mich aus? Welche Entscheidungen treffe ich aus Überzeugung und welche nur aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Angst vor Veränderung?
Und was würde passieren, wenn Du Dich selbst wieder stärker in den Mittelpunkt Deiner Entscheidungen stellst? - Nicht egoistisch, sondern bewusst und mit all Deinen Fähigkeiten, deinen Ecken und Kanten, deiner Neugier, deinem Mut, deinem Humor, deinen Wünschen. Und auch mit Deinen Unsicherheiten.
Vielleicht bedeutet persönliche Entwicklung gar nicht, ein anderer Mensch werden zu müssen, sondern
eher der Mensch zu sein, der man bereits ist.
Sir Ernest Shackleton suchte Menschen für eine Reise ins Unbekannte.
Unser Leben ist zwar keine Antarktisexpedition. Auch wir bekommen keine Garantie dafür, wie unsere Reise ausgeht. Wir können jedoch entscheiden, wie wir die Reise antreten und leben wollen.
Bist Du dabei?